МОСКВА, ЕВАНГЕЛИЧЕСКО-ЛЮТЕРАНСКАЯ ОБЩИНА СВВ. ПЕТРА И ПАВЛА
17 Июня 2012 года

2. Sonntag nach Trinitatis (17. Juni 2012)


Geliebte im Herrn, Brüder und Schwestern! Das Thema unseres heutigen Gottesdienstes ist eine „großartige Einladung“. Und es hat sich so ergeben, dass wir gerade heute, dem Auftrag und der Einladung unseres Herrn Jesus Christus folgend: „Lasset die Kinder zu mir kommen“ (Mk.10,14), die kleine Arina getauft haben. Wahrscheinlich war jeder von Ihnen schon einmal in der Situation, dass er eine Einladung brauchte, um an einem bestimmten Ereignis teilnehmen zu können. Manchmal war so eine Einladung mit einem freudigen, erwünschten Ereignis verbunden, z.B. Geburtstag, Taufe, Jubiläum, Hochzeit, Premiere, Konzert, Ball usw. Aber manchmal kommt auch eine nicht sehr erfreuliche: zu einer Gerichtsverhandlung, zur Wehrkommission, zur Rechtfertigung beim Vorgesetzten. Aber so eine Einladung, wie sie aus dem heutigen Bibelvers hervorgeht „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“ (Mt.11,28), so eine Einladung hat noch niemand und niemals ausgesprochen. Das hat nur Jesus Christus getan! Kommt a l l e zu mir! Für alle ist Platz, allen wird Aufmerksamkeit geschenkt! Das heißt, es wird das angeboten, was der Mensch seit jeher und bis zum heutigen Tag besonders braucht. Das ist eine wunderbare, großartige Einladung!

Und jetzt hören wir Gottes Wort aus dem 1. Brief an die Korinther, 14,1-3.20-25. Der Apostel Paulus schreibt:

1 Bemüht euch also darum, dass euch die Liebe geschenkt wird. Von den Gaben des Geistes wünscht euch besonders die Fähigkeit, prophetische Weisungen zu erhalten.

2 Wer in unbekannten Sprachen redet, der spricht nicht zu Menschen sondern zu Gott. Keiner versteht ihn. Durch die Wirkung des Geistes redet er geheimnisvolle Worte.

3 Wer aber Weisungen von Gott empfängt, kann sie an andere weitergeben. Er hat für sie Hilfe, Ermunterung und Trost.

20 Brüder, denkt nicht wie Kinder! Im Handeln sollt ihr unschuldig wie Kinder sein, aber im Denken müsst ihr erwachsen sein.

21 In den heiligen Schriften sagt Gott: „Ich werde zu diesem Volk in unbekannten Sprachen reden und durch den Mund von Fremden. Aber auch dann werden sie nicht auf mich hören.“

22 Das Reden in anderen Sprachen ist also ein Zeichen für die Ungläubigen, nicht für die Glaubenden. Bei den prophetischen Botschaften ist es umgekehrt: sie sind ein Zeichen nicht für die Ungläubigen, sondern für die, die glauben.

23 Stellt euch vor, die ganze Gemeinde versammelt sich, und jeder fängt an, in unbekannten Sprachen zu reden. Wenn nun Neulinge oder Ungläubige hereinkommen, werden sie euch bestimmt für verrückt erklären.

24 Nehmt dagegen an, dass ihr Botschaften von Gott weitergebt. Wenn dann ein Ungläubiger oder ein Neuling hereinkommt, wird ihn alles, was er hört, von seiner Schuld überzeugen. Er wird sich von allen zur Rechenschaft gezogen sehen.

25 Seine geheimen Gedanken kommen ans Licht. Er wird sich niederwerfen, wird Gott anbeten und bekennen: „Gott ist mitten unter euch!“

Liebe Brüder und Schwestern! Wie wir schon oft erfahren haben, schenkt Gott dem Menschen schon bei der Geburt viele Gaben und Talente: Gesundheit, das Hören, das Riechen, Geschmack, Verstand, Kraft, Musikalität, Stimme, Schönheit, Lernfähigkeit und die Fähigkeit, sein Wissen in die Praxis umzusetzen. Seit Pfingsten gibt der Dreieinige Gott den Gläubigen geistliche Gaben durch den Hl. Geist: Prophezeiung, Reden in unbekannten Sprachen, Auslegung des Wortes, Unterscheidung der Geister, Heilkraft, Führung. Allerdings ziehen viele Leute in dieser Welt den geistlichen Gaben mehr die materiellen vor: Autos, Wohnungen, Häuser, Yachten, Flugzeuge, Geld, Schmuck, Edelmetalle. Leider führt dieser Wunsch nach materiellem Wohlstand den Menschen oft auf den Weg des Verbrechens, des Verrates, moralischer Degradierung.

Was für einen Nutzen haben diese Gaben für Gottes Geschöpf, den Menschen? Gott hat ja den Menschen nicht wegen seiner Opfergaben lieb. Erinnert euch, wie er diese Opfer bewertet! Er hat eine ganz andere Wertskala. Deshalb sind die zwei Groschen der Witwe (Lk.21,1-4) sehr viel mehr wert als alle Tausender, die von den Pharisäern in den Tempel gebracht werden (Lk.18,12)! Die wichtigste Gabe, die Gott sich von uns wünscht, ist Liebe! Wahre, uneigennützige Liebe. Liebe zu unseren Nächsten und Verzeihung für unsere Feinde. „Liebe, die langmütig, gütig, nicht neidisch ist, nichts Böses denkt. Liebe, die sich mit der Wahrheit freut, die alles erträgt, alles glaubt, alles hofft, alles erduldet!“ (1.Kor.13,4-7). Genau so verhält sich unser Herr Jesus gegenüber den sündigen, aber reumütigen Menschen. Sie lädt er ein zum „großen Abendmahl“. Nach ihnen schickt er seine Diener auf die Straßen und Gassen, auf die Wege und hinter die Hecken, wenn die „Geladenen“ mit verschiedenen Ausflüchten absagen.

Gott lädt die Menschen zu sich ein, damit diese, nachdem sie seine Segnungen erhalten haben, ihrerseits der Welt das Evangelium verkünden können. Schon lange vor Christi Geburt hat Gott einigen Leuten in Israel besondere Gaben verliehen, damit sie dem Volk und den Machthabern Gottes Willen verkündeten, sie von Sünde und falschen Göttern abhalten, vor der drohenden Gefahr der Sklaverei warnen konnten. Diese Leute, die Propheten, haben auch die großen Taten Gottes in der Vergangenheit bezeugt. Die Propheten haben das kommende Königreich des versprochenen Messias vorausgesagt und die Rettung des „erwählten Volkes“ durch den König dieses Reiches – Jesus Christus. Die Propheten verkündeten, dass diese Rettung von der Höhe Zions aus sich auf alle Völker der Erde verbreiten würde. Die Propheten waren die „Stimme Gottes“. Darum haben sie ihre Reden oft mit den Worten begonnen: „So spricht der HERR“! Tatsächlich haben in der alttestamentlichen Zeit die Leute, die zu Propheten berufen waren, nur das gesagt, was ihnen Gott auftrug. Sie haben sich keineswegs als die Alleswisser ausgegeben, denen die Gegenwart, die Vergangenheit und die Zukunft offenbar war, obwohl die öffentliche Meinung sie genau als solche betrachtete. Im Gegensatz zu den Priestern, die nur im Tempel Dienst taten, konnten die Propheten überall mit einer Botschaft Gottes auftreten: auf Plätzen und Straßen, in Schlössern und in Hütten, in Synagogen und Tempeln; überall, wo es die Situation erforderte. In welcher Sprache haben sie sich an ihre Zuhörer gewandt? Natürlich in der, die den jeweiligen Zuhörern geläufig war. Deshalb konnte Gott, um seine Offenbarungen an die richtige Adresse zu bringen, auch Leute auswählen, die keineswegs dem „auserwählten Volk“ angehörten. So konnten auch der Philister, der Midianiter, der Babylonier und die Römerin im Schlaf prophetische Visionen empfangen (1.Mose 20,6; Richter 7,13; Daniel 2; Mt.27,19). Gottes Wege sind unbekannt, und sogar der erklärte Feind Jesu, der Hohepriester Kaiphas, prophezeite, ohne sich dessen bewusst zu sein, den Erlöser (Joh.11,51). So wollte es Gott.

Geliebte im Herrn! Wenn wir über die Propheten des Alten Testamentes sprechen, stellen wir fest, dass ihre Bestimmung war

  1. im Namen Gottes zu den Leuten zu sprechen,
  2. die Strafen vorauszusagen, die durch andere Stämme vollzogen werden für die Abwendung Israels von Gott,
  3. die Geschichte des Volkes Gottes zu schreiben.

Die Gabe der Propheten des Neuen Testamentes dagegen bestand darin, dass sie das Wort Gottes zur Belehrung, Verkündigung und Tröstung aussprachen. Diese Gabe unterschied sich von den Gaben der Apostel und der Lehrer und wurde unter den geistlichen Gaben am höchsten geachtet, denn da lehrte die Kirche. Zur Erreichung dieser Gabe rief der Apostel Paulus im Korintherbrief auf. Genau diese Gabe, die das Geheimnis Christi offenbarte, schenkte der Heilige Geist den Aposteln und Propheten zu Pfingsten. Und um ihre Möglichkeiten zu vergrößern, die Frohe Botschaft der ganzen Welt zu verkünden, wurde den Jüngern Jesu die Gabe geschenkt, „in fremden Sprachen zu sprechen“, denn das „Sprechen in unbekannten, unverständlichen Sprachen“ bringt keinerlei Nutzen! Manchmal kann das Wort „unbekannt“ auch eine andere Bedeutung annehmen. Zum Beispiel, wenn wir über Glauben, über unsere Gemeinde, unsere Kirche, über Gott und seine Bedeutung für unser Leben mit Leuten sprechen, die aus unserer Umwelt kommen und nur mal eben in unseren Gottesdienst schauen. Wir sprechen dieselbe Sprache wie sie – russisch. Wir haben die besten Absichten, denn wir wollen sie zu Jesus einladen. Aber nicht selten haben die pathetischen Worte der Predigt mit vielen Zitaten, theologischen und philosophischen Begriffen, leider den gegenteiligen Effekt. Obwohl wir das nicht wollen, verfallen wir der Versuchung, unsere Erwähltheit, unser Wissen, unsere Zugehörigkeit zu einer anderen Welt, einer Welt ohne Sünde, zu demonstrieren. Und diejenigen, die wir zu Christus einladen, fühlen sich bei uns ungemütlich und sind nicht bereit, auf den Ruf des Erlösers zu antworten. Ich glaube, als die “Armen, die Krüppel, die Lahmen und Blinden“ zum „großen Fest“ eingeladen wurden, waren nicht nur physische Verstümmelungen und Fehler gemeint. Wie viele physische gesunde, sehr wohlhabende, selbstbewusste Leute gibt es auch in unserer Zeit. Nach außen hin ist alles bestens. Aber Gott weiß, dass sie arm im Geiste, moralisch verstümmelt, lahm unter der Last ihrer Sünden, taub gegen die Nöte anderer, blind in ihrem Widerstand gegen die Erlösung, die ihnen durch die Barmherzigkeit des Dreieinigen Gottes angeboten wird. Deswegen ist ihnen auch die Tiefe des Gottesdienstes fremd, die Sprache der Gläubigen unverständlich. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Leute bei Begegnungen mit uns den Eindruck bekommen, dass sie in eine Welt der Verlierer, der Törichten oder sogar Fanatiker und Besessenen geraten sind. Aber wir Lutheraner „lehren alle Völker, taufen sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehren sie alles zu bewahren“, was der Herr Jesus seinen Jüngern aufgetragen hat (Mt.28,19,20). Wir tun nicht mehr, als die Reinheit der Predigt des Evangeliums und der Sakramente, wie es Martin Luther und die Väter der Reformation gelehrt haben, zu erhalten. Dadurch prophezeien und bezeugen wir die Sündigkeit der menschlichen Gesellschaft, die der Erlösung bedarf. Und tun müssen wir das in wahrer Liebe, in einfacher, verständlicher Sprache.

Liebe Brüder und Schwestern. Glauben Sie nicht, dass das Gleichnis von der Einladung zum großen Fest sich nur an die Juden zur Zeit Christi wendet. Dieses Gleichnis ist auch eine Prophezeiung an unsere Adresse, wenn wir den Ruf, die Einladung unseres Herrn „Kommt her zu mir alle … und ich werde euch trösten“, hören. Wir, genau so wie die „auserwählten“ Juden, können seinen Segen verlieren, wenn wir nicht auf die Warnung hören – „wenige sind auserwählt“. Deshalb müssen wir aufwachen aus dem Traum des zeitlichen und geisterhaften, betrügerischen irdischen Glücks, aus unserer Faulheit und Selbstsicherheit. Aufwachen, solange die dunklen Mächte uns nicht gänzlich in ihre Macht bekommen haben. Solange die Türen zu Gottes Segen noch offen sind für alle, die nach diesem Segen von Gottes Liebe und Frieden verlangen und dürsten. Solange noch Patz ist für uns alle. Denn wer weiß, wie lange diese rettende Tür noch offen ist und wann sie geschlossen wird? „Viele sind berufen, aber nur wenige sind auserwählt“ (Lk.14,24)!

Heute, wenn wir diese einladende Stimme hören, müssen wir mit neuer Kraft von der Erlösung predigen und prophezeien. Denn je länger der Mensch seine Reue verschiebt, desto schwieriger wird es. Je länger wir in unseren Sünden leben, desto härter und unnachgiebiger wird unser Herz, desto tauber werden unsere Ohren, desto blinder werden unsere Augen für den Ruf Jesu: „Kommt zu mir“!

Beeilen wir uns, vor dem Herrn unsere Sünden zu bekennen und uns mit seiner Hilfe davon zu befreien. Beeilen wir uns, dem Ruf Gottes ohne Verzögerung zu folgen, um Gnade und Segen zu finden! Und dann könnte es sein, dass Leute bei einer Begegnung mit uns sagen: „Gott ist wahrlich mit euch“ und „auf ihr Angesicht fallen und Gott anbeten“ (1.Kor.14,25)!

Amen.


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